Warum bildet man Hunde für die Spürarbeit aus?

Hunde sind für die Geruchsdetektion besonders gut geeignet, weil ihr Geruchssinn dem des Menschen deutlich überlegen ist. Ihr Riechhirn nimmt über 10 % der Hirnmasse ein und verarbeitet Duftreize besonders intensiv. Hinzu kommt die große Riechschleimhaut in der Nase mit einer sehr großen Oberfläche sowie eine enorme Zahl an Riechzellen: Je nach Rasse verfügen Hunde über etwa 220 bis 300 Millionen Riechzellen, der Mensch dagegen nur über rund 5 bis 6 Millionen. Außerdem können Hunde Gerüche „stereo“ wahrnehmen, also auch erkennen, aus welcher Richtung ein Geruch kommt. Dadurch sind sie in der Lage, selbst feinste Geruchsspuren zuverlässig zu orten – eine ideale Voraussetzung für die Suche nach verdecktem Schimmelbefall.
Welche Hunde sind geeignet für den Job als Spürhund?

Für die Spürhundearbeit eignen sich Hunde, die folgende Voraussetzungen mitbringen:
- eine geeignete Anatomie für die Sucharbeit
- ein sicheres, menschenneutrales Wesen
- ausdauernde Triebbeständigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen
- souveränes Verhalten in unterschiedlichen Umgebungen
Häufig kommen Gebrauchshunde aus dem Schutz- und Jagdbereich zum Einsatz. Bei Ausbildung und Arbeit mit Spürhunden ist außerdem zu beachten, dass verschiedene Faktoren ihre Arbeitsleistung fördern oder hemmen können.
Vom Welpen zum zertifizierten Schimmelspürhund

Die Ausbildung eines Schimmelspürhundes beginnt bereits im Welpenalter und dauert in der Regel etwa zwei Jahre. Dabei werden die Fähigkeiten des Hundes schrittweise entwickelt und gefestigt.
8. Woche bis 6. Monat – Grundlagen schaffen
Sozialisierung, Erziehung, spielerische Nasenarbeit und erste Übungen zum Anzeigeverhalten.
6. bis 12. Monat – Gerüche erkennen lernen
Konditionierung auf schimmelspezifische Gerüche, Geruchsunterscheidung und erste einfache Suchaufgaben.
12. Monat – Gesundheitscheck
Tierärztliche Überprüfung der körperlichen Eignung für die weitere Ausbildung.
12. bis 18. Monat – Suchleistung entwickeln
Systematische Suche in unterschiedlichen Höhen und Umgebungen, Erkennen verschiedener Geruchsquellen und Training an realen Schimmelschäden.
18. bis 22. Monat – Praxiserfahrung sammeln
Anspruchsvollere Suchaufgaben, Einsatznachsuchen und Abgleich mit einem zertifizierten Spürhund.
22. bis 24. Monat – Einsatzreife und Zertifizierung
Erste kontrollierte Realeinsätze und abschließende Leistungsüberprüfung durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle.
Das Ziel: Ein zuverlässiges Hund-Mensch-Team, das verdeckte Schimmelgerüche selbstständig aufspürt und durch ein eindeutig erkennbares, passives Anzeigeverhalten kennzeichnet.
Die Zeitangaben dienen der Orientierung. Jeder Hund entwickelt sich individuell und benötigt eine seinem Leistungsstand angepasste Ausbildung.
Qualitätssicherung durch regelmäßiges Training – die Grundlage zuverlässiger Spürhundearbeit

Die erfolgreiche Zertifizierung eines Schimmelspürhundes ist kein Garant für eine dauerhaft zuverlässige Suchleistung. Nur durch kontinuierliches, hochqualitatives und fachlich fundiertes Training lässt sich die Einsatzfähigkeit eines Schimmelspürhund-Teams langfristig aufrechterhalten. Dabei kommt es nicht allein auf die Häufigkeit des Trainings an, sondern vor allem auf dessen Qualität und eine möglichst realitätsnahe Gestaltung.
Worauf kommt es beim Training besonders an?
- Blind- und Doppelblindtraining: Der Spürhundeführer darf nicht immer wissen, ob und wo Geruchsproben versteckt sind. Beim Doppelblindtraining kennen auch die unmittelbar beteiligten Beobachter die Positionen nicht. Dadurch werden unbewusste Hilfestellungen und Beeinflussungen des Hundes vermieden. Solche Trainingsformen sind wissenschaftlich begründet und ein wesentlicher Bestandteil objektiver Leistungskontrollen.
- Qualität und Vielfalt der Geruchsproben: Die verwendeten Proben sollten aus fachlich untersuchten Materialien bestehen, bei denen die enthaltenen Schimmelpilzgattungen, -arten und gegebenenfalls Bakterien bekannt sind. Nur so lässt sich gezielt überprüfen, auf welche Geruchsmuster die Hunde reagieren und ob sie zuverlässig zwischen relevanten und irrelevanten Gerüchen unterscheiden.
- Wechselnde und anspruchsvolle Trainingsobjekte: Hunde verfügen über ein ausgeprägtes visuelles und räumliches Lernvermögen. Sie können sich Räume, Gegenstände und bereits erlebte Suchsituationen einprägen. Werden regelmäßig dieselben Objekte verwendet, besteht die Gefahr, dass sie bekannte Suchmuster oder Fundorte wiedererkennen, anstatt ausschließlich dem Zielgeruch zu folgen. Deshalb müssen Trainingsorte, Suchbedingungen und Probenverstecke möglichst vielfältig und wechselnd gestaltet werden.
- Kontinuierliche Fortbildung des Spürhundeführers: Wissenschaftliche Erkenntnisse über Lernverhalten, Geruchswahrnehmung und Ausbildungsmethoden entwickeln sich stetig weiter. Ein qualifizierter Spürhundeführer muss sich regelmäßig fortbilden, sein eigenes Handeln kritisch hinterfragen und Trainingsmethoden entsprechend anpassen.
- Fachlicher Austausch und Workshops: Der Erfahrungsaustausch mit anderen Spürhundeführern und Fachleuten ist unverzichtbar. Workshops, gemeinsame Trainingseinheiten und Fachveranstaltungen, beispielsweise des Bundesverbands Qualitätssicherung Schimmelspürhunde und andere Umweltsuchhunde (BQS e.V.) oder der Arbeitsgemeinschaft Odorologie, ermöglichen eine unabhängige Betrachtung der eigenen Arbeitsweise und fördern die Weiterentwicklung der Spürhundearbeit.
Eine anspruchsvolle Ausbildung mit hoher Verantwortung
Die Ausbildung und dauerhafte Einsatzbereitschaft eines Schimmelspürhundes erfordern einen enormen zeitlichen, organisatorischen und finanziellen Aufwand. Vor Beginn einer Ausbildung sollten deshalb sowohl die persönlichen Voraussetzungen als auch der tatsächliche Bedarf am Markt realistisch geprüft werden. Ohne ausreichende Einsatzmöglichkeiten kann sich die kostenintensive Ausbildung wirtschaftlich schnell als unrentabel erweisen.
Auch der beste Spürhund ist nicht unfehlbar. Eine verantwortungsbewusste Tätigkeit erfordert deshalb neben regelmäßiger Qualitätssicherung auch einen angemessenen Versicherungsschutz, insbesondere für mögliche Schäden durch fehlerhafte Suchergebnisse.




